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21.06.2011

Eine „heiße“ Sache:
140 Jahre Keramikfliesen aus Sinzig

Bis zum 15. April 2012 können Interessierte in Sinzig am Rhein ein bemerkenswertes Stück Industriegeschichte bewundern: Die Ausstellung „heiß gebrannt und unverwüstlich - 140 Jahre Fliesen aus Sinzig“. Die Sammlung war bereits seit Herbst 2010 im dortigen Werk der DEUTSCHE STEINZEUG CREMER & BREUER (DSCB) AG aufgebaut, zu der die Fabrik heute gehört. Kürzlich erfolgte die Verlagerung in das Heimatmuseum, das im örtlichen Schloss untergebracht und während der Öffnungszeiten für die Allgemeinheit zugänglich ist.

Das Werk Sinzig heute
Als der Teil der DSCB AG, die als Obergesellschaft fungiert, fertigt das Werk Sinzig heute hochwertige Keramikfliesen aus (Fein)Steinzeug, die unter dem Markennamen AGROB BUCHTAL vertrieben werden. Diese Marke entstand durch den Zusammenschluss der beiden früheren Einzelunternehmen AGROB und BUCHTAL, die Anfang der 1990er Jahre fusionierten. Produktschwerpunkte dieser renommierten Marke sind Keramikfliesen für Fassaden und Schwimmbäder, modular kombinierbare Farb- und Formatsysteme, trittsichere funktionale Fliesen für Industrie und Gewerbe sowie repräsentative Lösungen (sowohl für öffentliche als auch für private Anwendungsgebiete). Sinzig deckt innerhalb dieser weit gefächerten Palette vor allem die beiden letztgenannten Sektoren ab und spielt in dieser Funktion eine wichtige Rolle (weitere Details: siehe Hintergrund-Informationen am Ende des Beitrages).

Kleine, aber feine Vernissage

Der Umzug der eingangs erwähnten Ausstellung wurde kürzlich im Rahmen eines feierlichen Festaktes vollzogen. Bei dieser Gelegenheit wurde erstmals auch die Publikation, die die Ausstellung begleitet, präsentiert. Auf rund 100 Seiten dokumentiert das Druckwerk die reichhaltige und wechselhafte Geschichte der Sinziger „Plaatefabrik“, wie sie im Volksmund liebevoll genannt wird. Ähnlich innig beschreibt einer der Beiträge die Verwendung Sinziger Fliesen in der Kloster-kirche der Benediktinerabtei in Engelberg/Schweiz. Dabei wird angemerkt, dass die entsprechenden Erzeugnisse „auf der Zollstation als Luxusartikel taxiert wurden“ - ein früher Beweis dafür, dass sich Sinziger Fliesen schon damals hoher Wertschätzung erfreuten.

Initialzündung erfolgte 2007
Auslöser für die Sonderschau war die Haushaltsauflösung eines ehemaligen Mitarbeiters. Dabei kamen alte Fliesen, Werkzeuge und Kataloge zu Tage, die 2007 vom Schloss-Museum erworben wurden. Die Schau spiegelt das intensive Engagement des anschließend gebildeten Arbeitskreises Keramik wider, den Museumsleiterin Agnes Menacher mit Kunsthistorikern, Ethnologen, Mitgliedern des Vereins zur Förderung der Denkmalpflege und des Heimatmuseum sowie ehemaligen Mitarbeitern der Fabrik zusammenstellte. Dank intensiver Recherche und Akribie wurden die Preziosen der Vergangenheit rekonstruiert und gesammelt. Dabei ging es nicht nur um die Produkte, sondern auch um die Menschen, die diese hergestellt haben: Sage und schreibe 37 Zeitzeugen wurden interviewt und die Ergebnisse in einem Film festgehalten, der auf Wunsch vorgeführt wird.

Berechtigte Anerkennung
Entsprechend voll des Lobes äußerten sich die Honoratioren: Der Kreisbeigeordnete Horst Gies sprach davon, dass die Ausstellung lehrt, die Schätze zu unseren Füßen zu achten. Sinzigs Beigeordneter Gunter Windheuser betonte, wie eng die Barbarossastadt mit einem ihrer größten Arbeitgeber verbunden ist. Dr. Günter Schell (Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Denkmalpflege und des Heimatmuseums) zeigte sich beeindruckt von der Qualität der erwähnten Publi-kation und der Ausstellung, die von der Kunsthistorikerin Dr. Antoinette Lepper-Binnewerk gekonnt inszeniert wurde. Josef Erhardt (zusammen mit Matthias Röcke einer der Mit-Redakteure) brachte das Ganze dann mit einem Wortspiel auf den Punkt: „Mit dem Katalog ist alles für die Nachwelt festgehalten, und zwar so unverwüstlich wie die Fliesen aus Sinzig“. Ein Besuch lohnt sich demnach.

www.museum-sinzig.de / www.deutsche-steinzeug.de

Kontakt
Werner Ziegelmeier (Leiter Public Relations)
Phone: +49 (0)9435 / 391-33 79
Mobile: +49 (0)160 / 90 52 71 59
Fax: +49 (0)943 / 391-30 33 79
Email: werner.ziegelmeier@deutsche-steinzeug.de

Hintergrund-Informationen:
Sinzig ist eine mittelrheinische Stadt mit langer keramischer Tradition: Wie entsprechende Funde am Sinziger Kirchberg belegen, soll es bereits 40 - 70 nach Christus eine römische Militärziegelei in dieser Gegend gegeben haben.

Ähnlich imposant ist die traditionsreiche Geschichte der Sinziger Fliesenfabrik: Der Krefelder Unternehmer Ferdinand Frings erwarb 1865 die Bonner „Porzellan- und Fayence-Fabrik Franz Anton Mehlem“ und verlagerte das Unternehmen dann nach Sinzig. Dafür gab es verschiedene Gründe wie die Verfügbarkeit von Grundstücken und Arbeitskräften oder die Nähe zu den benötigten Rohstoffen. Laut Orts-Chronik fand dort im April 1870 die Grundsteinlegung statt für die „Mosaik-Fußboden-Platten- und Thonwaarenfabrik“ der „F. Frings & Cie“, die noch im Sommer des gleichen Jahres die Produktion aufnahm. Diese Startphase verlief offensichtlich rasant und erfolgreich, denn in einem Katalog aus dem Jahr 1900 wird mit Medaillen von Ausstellungen in Wien (1873), Melbourne (1881), Adelaide (1887) Chicago (1894) und St. Petersburg (1900) geworben.

Danach folgten diverse Änderungen der Firmenbezeichnung und der Gesellschaftsform, deren Aufzählung den Rahmen bei weitem sprengen würde. Gleiches gilt für die Kriegswirren, die natürlich zahlreiche schmerzliche Spuren hinterlassen haben. Deshalb kann der Bogen zur Gegenwart nur stark verkürzt geschlagen werden:

Mitte der 1950er Jahre wurde der Markenname Agrob geprägt und schließlich 1958 das Werk in „Agrob Aktiengesellschaft für Grob- und Feinkeramik“ umbenannt. Um neben Boden- auch Wandfliesen anbieten zu können, erwarb die Agrob AG Ende der 1970er Jahre 90% des Stammkapitals der „Wessel-Werk GmbH, Bonn“, die wiederum die Mehrheit an der „Servais-Werke AG, Alfter-Witterschlick“ hielt, die 1981 in „Agrob Wessel Servais (AWS) AG“ umbenannt wurde.

Ab 1982 wurde das Werk Sinzig so wie die übrigen Agrob-Werke in Ehrang und Ismaning von der AWS AG angepachtet und zusammen mit den Werken Bonn und Alfter-Witterschlick unter der Leitung der AWS AG geführt. Ende 1985 wurde diese Zentralisierung aufgehoben: Die AWS AG konzentrierte sich wieder auf modische Wand-Fliesen (Steingut), die AGROB AG auf Bodenfliesen (Steinzeug und Spaltplatten).

Ab 1990 hatte die AGROB AG nur noch reine Holding-Funktion, Fertigung und Vertrieb von Steinzeugfliesen bzw. Spaltplatten erfolgten durch die „Agrob Fliesen Gmbh“, Sinzig. Um Synergieeffekte zu erzielen und für den stark zunehmenden Verdrängungswettbewerb gewappnet zu sein, wurden Verhandlungen mit der damaligen Cremer-Gruppe, Frechen, geführt, zu der u.a. die Werke Buchtal in Schwarzenfeld (Bayern/Oberpfalz) und Annawerk in Rödental bei Coburg (Bayern/Oberfranken) gehörten.

Zum 1.1.1992 ging das Werk Sinzig mit der Agrob Fliesen GmbH in den Besitz der Cremer-Gruppe über, die 1994 in die jetzige „Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer (DSCB) AG umfirmiert wurde. Der Standort Sinzig ist heute eines von vier Werken* der DSCB AG und fertigt qualitativ hochwertige Fliesen aus (Fein)Steinzeug, die unter dem Markennamen AGROB BUCHTAL vertrieben werden.


*die anderen Werke befinden sich in
– Oetzingen (Westerwald)
– Schwarzenfeld-Buchtal (Bayern)
– Witterschlick (bei Bonn)

Die Exponate spiegeln das große Engagement und die Akribie des Arbeitskreises Keramik wider, der von Museumsleiterin Agnes Menacher ins Leben gerufen wurde.

Unter der Federführung der Kunsthistorikerin Dr. Antoinette Lepper-Binnewerk wurde eine Ausstellung konzipiert, die informativ und unterhaltsam zugleich die Vergangenheit beleuchtet.

Die gelungene Ausstellungs-Publikation sorgte für strahlende Gesichter bei Verantwortlichen und Honoratioren.
2. v. l.: Reinhold Walber (Leiter des Werkes Sinzig)
3. v. l.: Agnes Menacher (Museumsleiterin)
3. v. r.: Dr. Antoinette Lepper-Binnewerk (Kunsthistorikerin)

Neben Maschinen und Materialien ging es vor allem um die Menschen, die hinter den herrlichen Produkten stecken. Historisch wertvolle Fotos und Dokumente riefen zahlreiche Erinnerungen wach werden und lieferten anregenden Gesprächsstoff.